Heimkommen | Newsblog

Die Region entdecken

» Das Taubenbrünnlein in Feuchtwangen «

19. Februar 2026 | Die Region entdecken|0|

Etwas verborgen und abseits der Wege liegt unterhalb des Oberen Tors das Taubenbrünnlein in Feuchtwangen. Wer dem schmalen Pfad entlang der alten Stadtmauer folgt, gelangt an einen stillen Hang, an dem sich Natur, Überlieferung und Stadtgeschichte auf besondere Weise begegnen. Die kleine Brunnenanlage wirkt unscheinbar – und gerade darin liegt ihre besondere Atmosphäre.

Das Taubenbrünnlein in FeuchtwangenIm Mittelpunkt steht die wohl bekannteste Feuchtwanger Gründungssage. Der Überlieferung nach jagte Karl der Große wenige Jahre vor seinem Tod in den dichten Wäldern rund um das heutige Sulzbachtal. Er soll sich verirrt haben, erschöpft und von starkem Durst geplagt. In dieser ausweglosen Situation stieg eine Taube aus dem Gebüsch auf. Der Kaiser folgte ihr – und fand an der Stelle des heutigen Brünnleins frisches, klares Quellwasser. Bald darauf entdeckte ihn sein Jagdgefolge. Aus Dankbarkeit gegenüber Gott habe Karl der Große gelobt, in der Nähe eine Kirche und ein Kloster zu errichten. So sei, der Sage nach, der Grundstein für Feuchtwangen gelegt worden.

DIe Inschrift am Taubenbrünnlein in FeuchtwangenDie Erzählung ist bis heute am Brunnen selbst präsent: Auf einer Steinsäule ist die Szene eingraviert, eine Tafel am benachbarten Haus gibt die Sage in schlichten Worten wieder. Auch mündliche Überlieferungen ranken sich um Details – etwa um den Fichtenstock, auf dem der Kaiser gesessen haben soll. Der Volksmeinung nach liege er, vom Alter versteinert, unter dem Hochaltar der heutigen Stiftskirche.

Historisch gesichert ist die Gründung durch Karl den Großen allerdings nicht. Das Benediktinerkloster Feuchtwangen wurde 818/819 erstmals urkundlich erwähnt und stand vermutlich im Zusammenhang mit einem fränkischen Königshof, der bereits zuvor bestand. Der evangelische Theologe und Kirchenhistoriker Albert Hauck wies im 19. Jahrhundert darauf hin, dass Karl der Große keine Klöster persönlich gegründet, sondern deren Entstehung vor allem gefördert habe. Dennoch bleibt wahrscheinlich, dass der Kaiser dem jungen Kloster bedeutende Privilegien oder Unterstützung gewährte – ein Umstand, der sein dauerhaftes Andenken in der Stadt erklärt.

So steht das Taubenbrünnlein heute zwischen Legende und Geschichte. Es ist kein monumentales Bauwerk, sondern ein stiller Ort am Rand der Altstadt. Gerade dadurch vermittelt es etwas von der frühen Landschaft, in der sich einst Kloster und Siedlung entwickelten. Während Marktplatz und Kirchen von der städtischen Repräsentation zeugen, erinnert das Taubenbrünnlein an den Ursprung im »feuchten Gelände« der Sulzach – und an die Kraft einer Erzählung, die über Jahrhunderte hinweg Identität gestiftet hat.

Adresse:

Zum Taubenbrünnlein 9
91555 Feuchtwangen

Öffnungszeiten:

Der Brunnen ist jederzeit zugänglich
 

Anfahrt:

Vom Marktplatz aus in Richtung Untere Torstraße und dann in die kleine Straße »Zum Taubenbrünnlein« abbiegen